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Hildegardmedizin
Hildegard von Bingen stellte ihr visionäres Wissen um den Menschen und die Natur in den großen Zusammenhang einer Lebensordnung. Alles ist eingefügt in den großen Heilsplan Gottes, es ist seine Heilsordnung, die sich wie ein roter Faden durch alle Hildegard-Werke durchzieht.
Das Erfolgsgeheimnis der Hildegard-Medizin besteht nun darin, diese Zusammenhänge wieder neu zu entdecken und auf heutige Gesundheitsprobleme anzuwenden. Sie beruhen im Kern darauf, dass die Schöpfung auch die Heilmittel bereit hält und dass die seelisch-leibliche Ganzheit des Menschen berücksichtigt wird. Die Hildegard-Medizin wendet diese Prinzipien konsequent an: in der Ernährungstherapie, im Arzneimittelschatz, in der Ausleitungstherapie mit Aderlass, Schröpfen und Moxibustion (setzen ca. pfenniggroßer Brennstellen in bestimmten Hautarealen), in der Physiotherapie mit der Anwendung von Sauna, Bädern und Massagen, in der Psychotherapie mit Fasten und Aufbauverfahren.
Hinter dem Gesamtwerk Hildegards lässt sich eine gewisse Systematik erkennen, die man zu den sechs goldenen Regeln (sex rei naturales) zusammenfassen kann. Diese Regeln vermitteln eine gewisse Ordnung und ein Lebensgefühl, wobei weder Gesunde noch Kranke ohne die hohe Kunst der Lebensführung im Sinne einer Diätetik (griechisch diaita = Ordnung des menschlichen Lebens) auskommen. Goethe hat diese Lebensphilosophie als lebenslänglichen Prozess beschrieben, weil man die Diät zur Lebensregel machen müsse und das ganze Jahr nicht aus den Augen verlieren dürfe (Wilhelm Meister).








